Diagnose der manisch-depressiven Erkrankung



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Generell gibt es zur Diagnose Feststellung einer manisch-depressiven Erkrankung keine sicheren Testmöglichkeiten. Vielen Ärzten fällt es meist schwer, eine depressive Phase einer bipolaren affektiven Störung von einer wirklichen Depression zu unterscheiden, wenn der Krankheitsbeginn mit einer Depression startet. Erst mit dem Hinzukommen einer manischen Phase kann eine Diagnose oft eindeutiger gestellt werden. Die Diagnose ist umso klarer, je länger der zeitliche Verlauf ist. Bei der Stellung der Diagnose ist es hilfreich, wenn der Arzt weiß, ob in der Verwandtschaft weitere Personen von einer bipolaren affektiven Störung betroffen sind.

Gerade im Jugendalter sowie bei jungen Erwachsenen stellt die Diagnose der manisch-depressiven Erkrankung oft eine Schwierigkeit dar. Die Symptome variieren hier oft, die Erkrankung kann sich auch durch Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsdefizite oder frühen Drogen-Missbrauch bemerkbar machen.

Detaillierte Erhebung der Krankheitsgeschichte Voraussetzung zur eindeutigen Diagnose

Eine detaillierte Anamnese (Erhebung der bisherigen Krankengeschichte) ist ein unumgängliches Untersuchungsverfahren zur Feststellung einer manisch-depressiven Erkrankung. Der Arzt stellt dem Patienten Fragen zu möglichen Ereignissen, Konflikten im Privat- und Berufsleben oder psychischen und körperlichen Krankheiten, die für eine bipolare affektive Störung verantwortlich sein könnten. Wichtig kann hierbei auch die Auskunft von Verwandten, Freunden und Arbeitskollegen sein (so genannte Fremdanamnese). Oft wird dabei ein deutlicher Unterschied zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung deutlich, was unter Umständen auch auf eine Erkrankung hinweisen kann.

Bei einem Beginn einer depressiven Erkrankung nach dem 40. Lebensjahr können durchaus auch andere Stoffwechsel- oder Gehirnerkrankung ursächlich sein. Aus diesem Grund werden in der Regel weitere Untersuchungen vorgenommen. So erfolgen oft eine internistische sowie eine neurologische Untersuchung. Auch eine Blutuntersuchung mit Schilddrüsenwertbestimmung, die Bestimmung von Nieren- und Leberwerten, ein Blutbild sowie die Bestimmung von Mineralien (z. B. Kalium, Natrium, Kalzium) im Blut oder auch die Blutzuckerwerte und die Bestimmung des Vitamin-B12-Spiegels können bei der Diagnose hilfreich sein. Oft werden auch EKG (Elektrokardiogramm) und/ oder EEG (Elektroenzephalogramm) geschrieben. Mittels MRT (so genannte Kernspintomografie) kann das Gehirn in einem bildgebenden Verfahren dargestellt werden.

Bei der Anamnese ist es unerlässlich, dass der Arzt über alle Medikamente, die in der letzten Zeit eingenommen worden sind, informiert wird. Grund dafür ist, dass es einige Medikamente gibt, die zu Depressionen oder auch Manien führen können.

Lt. Studien wird nur bei der Minderheit die richtige Diagnose gestellt

Einigen Studien zufolge wird nur bei einem geringen Teil der Betroffenen auch tatsächlich eine korrekte Diagnose zur bipolaren affektiven Störung gestellt. Oft gibt es einige erschwerende Hürden bei der Diagnose. So werden die Phasen, die sowohl von Manie als auch von Depression gekennzeichnet sind (so genannter Mischzustand) nur selten richtig als bipolare Störung diagnostiziert. Oft werden bipolare affektive Störungen damit beschrieben, dass die Betroffenen im finanziellen Ruin liegen, bei Trennungen recht bedenkenlos vorgehen und oft im Wahn sind. Eine Erkrankung, die diese Symptome nicht aufweist, wird nur schwer als typische manisch-depressive Erkrankung wahrgenommen.

Auch der oft exzessive Alkohol- und/ oder Drogenkonsum während einer manischen Phase wird oft falsch gedeutet und als Abhängigkeit interpretiert. Durch entstehende Suchterkrankungen während der Phasen kann die Grunderkrankung deshalb schnell verschleiert werden. Gerade bei Kindern fällt die Diagnose „manisch-depressive Erkrankung“ oft schwer. So kann die Krankheit meist nur schwer von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom) abgegrenzt werden. Mitunter kommt es bei der Erkrankung in seltenen Fällen sogar zur Diagnose „Schizophrenie“, weshalb hier wirklich eine genaue Anamnese notwendig wird.