Die manisch-depressive Erkrankung - Symptome, Verlaufsformen, Behandlung

Taschenbuch: Leben mit bipolaren Störungen

Leben mit bipolaren Störungen

Leben mit bipolaren Störungen: Manisch-depressiv: Wissen, das Ihnen gut tut Taschenbuch, 2009, 160 Seiten

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Bipolare Störung
Die manische Depression wird auch bipolare Störung genannt.

Im Volksmund wird die manisch-depressive Erkrankung (auch bipolare affektive Störung) mit „Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“ beschrieben. Abwechselnde Episoden von übermäßig gehobener Stimmung (so genannte Manie) und Depressionen kennzeichnen diese Krankheit. Bei der manisch-depressiven Erkrankung spiegeln sich alle menschenmöglichen Stimmungslagen wider – sie reichen von starker Euphorie bis zur abgrundtiefen Einsamkeit. Die Krankheit wird auch als bipolare affektive Störung bezeichnet, da die Stimmung immer zwischen zwei Gegensätzen (Polen) hin und her schwankt.

Bei Personen mit einer manisch depressiven Erkrankung sind die Stimmungsschwankungen in Anzahl, Dauer und Ausprägung sehr unterschiedlich. Diese Stimmungsschwankungen werden als so genannte Episoden bezeichnet, wobei einige Erkrankte nur eine einzelne Episode haben, währende andere Betroffene sehr viele Episoden durchlaufen. Zwischen diesen so genannten Episoden sind die Patienten mit bipolarer affektiver Störung symptomfrei und somit psychisch gesund.

Geschichte der bipolaren affektiven Störung

Manische Depression in der Antike

Schon in der Antike waren bipolare affektive Störungen bekannt. Zunächst waren sowohl manische als auch depressive Krankheitszustände getrennt voneinander erfasst worden, später erkannte der griechische Arzt Aretaeus von Kappadokien, dass Manie und Depression zusammengehören.

Auch Hippokrates beschrieb schon im 5. Jahrhundert v. Chr. die Depression (damals: Melancholie). Auch den Begriff „Mania“ (Manie) verwendete er schon und beschrieb damit einen Zustand der Ekstase.

Manische Depression in der Moderne

Im Mittelalter sowie in der Frühen Neuzeit geriet das Konzept von Aretaeus von Kappadokien in Vergessenheit, wurde dann aber im 19. Jahrhundert wieder aufgegriffen. Im Jahr 1851 beschrieb Jean-Pierre Falret den Wechsel zwischen Manien, Depressionen und dem gesunden Intervall. Drei Jahre später beschrieb Jules Baillarger dieselbe Krankheit mit unterschiedlichen Erscheinungsformen, wobei hier allerdings nicht immer ein gesundes Intervall vorhanden war.

Emil Kraepelin, ein deutscher Psychiater, beschrieb die Krankheit im Jahr 1899 als „manisch-depressives Irresein“, erkannte allerdings auch die Mischzustände. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Menschen mit manisch-depressiver Erkankung als „erbkrank“ eingestuft und des entweder einer Zwangssterilisation unterzogen oder aber – wenn die Diagnose „Schizophrenie“ gestellt wurde – in den Vergasungs-Anstalten umgebracht.

Erst im Jahr 1949 wurden durch Karl Kleist uni- und bipolare Krankheitsbilder unterschieden.

Verbreitung der manisch depressiven Krankheit

Die bipolare affektive Störung ist eine recht häufige Erkrankung. In den Industrieländern sind etwa drei Prozent der Bevölkerung von einer manisch-depressiven Erkrankung betroffen (Details siehe Epidemiologie). Sowohl Männer als auch Frauen erleiden die Krankheit gleichermaßen oft. Dabei ereignet sich die erste manisch-depressive Episode der Betroffenen etwa zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr, was in der Regel etwa sechs Jahre unter dem Erkrankungsbeginn der schweren Depression liegt. Die Krankheit wird in der Regel erst mehrere Jahre nach ihrem Ausbruch erkannt, was zu einem enormen Leidensdruck der Betroffenen führt.

Oft wirken sich die Symptome stark auf Entscheidungen und auch Beziehungen aus. Oft sind dann schon viele Lebenswege der Betroffenen durch die Krankheit beeinflusst, wenn diese erst später erkannt wird. Gerade in jungen Jahren, wo die Persönlichkeit oft noch nicht gefestigt ist, beginnen die ersten Symptome. Dadurch entstehen die ersten Probleme meist schon in der Ausbildung, später dann im Arbeits- und Familienleben. In der Arbeitswelt wird dies an deutlichen Wechseln im Lebenslauf ersichtlich.

Noch vor einigen Jahren wurde die Erkrankung meist noch mit Begriffen wie „manisch depressive Psychose“ oder auch „manisch-depressives Irresein“ bezeichnet. In der Umgangssprache wird sie oft auch nur als manische Depression bezeichnet, was eigentlich irreführend ist.

Epidemiologie der manisch depressiven Erkrankung

Generell liegt die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung an einer bipolaren affektiven Störung im Schnitt bei 1 bis 1,6 Prozent weltweit, wobei es keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Mit fortschreitender Dauer der Erkrankung steigt jedoch das Risiko einer so genannten hohen Phasenfrequenz (schneller Wechsel zwischen den einzelnen Phasen). Dabei erleiden etwa 10 Prozent aller Betroffenen vier oder mehr Phasen pro Jahr, wobei die Prognose zur Erkrankung hier auch eher schlecht aussieht. Bei etwa einem Drittel aller betroffenen Patienten kann es vorkommen, dass sie kein symptomfreies Intervall erleben.

Etwa 75 Prozent aller Betroffenen haben die erste Krankheitsphase bis zum 25. Lebensjahr durchlebt, etwa 10 bis 15 Prozent erleben mehr als 10 Phasen im gesamten Leben. Bei weiteren 39 Prozent der Erkrankten kommen weitere psychiatrische Probleme hinzu. Bei etwa 25 bis 50 Prozent der manisch-depressiv Erkrankten kommt es zu mindestens einem Selbstmordversuch, 15 bis 30 Prozent der Betroffen töten sich tatsächlich.

Mit weniger als 0,1 Prozent sind Kinder und Jugendliche eher selten von der manisch-depressiven Erkrankung betroffen. Allerdings wird vermutet, dass die Zahl doch etwas höher liegt, da es bei der Diagnose oft zu Fehlinterpretationen kommt.

Ursachen der manisch-depressiven Erkrankungen

Erbliche Faktoren und Gendefekte

Einige Studien in der Familien- sowie Zwillingsforschung haben ergeben, dass unter Umständen erblich bedingte Faktoren für die Entstehung der manisch-depressiven Erkrankung ausschlaggebend sein können. So ist laut einigen Untersuchungen das Zusammenspiel verschiedener Gene mit bestimmten Umweltfaktoren verantwortlich für die Krankheit.

Vor allem bei eineiigen Zwillingen zeigt sich deutlich der Einfluss von bestimmten Erbanlagen: Wenn ein Zwilling an einer manisch-depressiven Erkrankung leidet, so besteht bei dem anderen Zwilling ein deutlich höheres Risiko, die Krankheit ebenfalls zu erleiden. Auch Kinder von Eltern mit manisch-depressiver Erkrankung haben – vor allem, wenn beide Elternteile daran erkrankt sind – ebenfalls ein deutlich erhöhtes Risiko, die Erkrankung zu erleiden.

Weiterhin wurden Studien mit adoptierten Kindern durchgeführt, welche die Bestätigung liefern, dass es sich tatsächlich um einen genetischen Effekt handelt, der nicht mit der Erziehung in Zusammenhang gebracht werden kann. Generell ist die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung vor allem dann erhöht, wenn Verwandte ersten Grades bereits an einer bipolaren affektiven Störung leiden. Bereits das Risiko, an einfachen Gemütsleiden zu erkranken, ist erhöht.

Es gibt Hinweise darauf, dass die bipolare affektive Störung auf eine Störung der Verteilung und Regulation von wichtigen Neurotransmittern im Gehirn zurückzuführen ist. Bei Neurotransmittern handelt es sich um chemische Botenstoffe, die zur Weiterleitung der Nervensignale dienen. Zu diesen Botenstoffen gehören zum Beispiel Dopamin, Serotonin oder auch Noradrenalin. Bei einer medikamentösen Behandlung der manisch-depressiven Erkrankung wird deshalb auf eine kontrollierte Ausschüttung der Signalstoffe geachtet.

Depressionen werden dabei in der Regel durch einen Mangel der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin hervorgerufen, während eine Manie auf eine erhöhte Konzentration an Noradrenalin und Dopamin zurückgeführt werden kann. Auch der Gehalt an Stresshormonen (Adrenalin und Noradrenalin, Cortisol) im Blut kann bei Betroffenen erhöht sein.

Prinzipiell sind bipolare affektive Störungen keine klassischen reinen Erbkrankheiten. Sie werden weder rezessiv noch dominant vererbt. Bei vielen manisch-depressiv Erkrankten wurden jedoch Veränderungen an den Chromosomen 4, 18 und 21 nachgewiesen. Oft sind auch Gene, die zur Ausbildung von Neuronen benötigt werden, geschädigt. Jeder einzelne genetische Defekt allein führt noch nicht zur Erkrankung, treffen aber mehrere Defekte aufeinander, ist das Erkrankungsrisiko erhöht.

Manisch depressiv durch bestimmte Medikamente

Unter Umständen ist es möglich, dass eine bipolare affektive Störung auch durch die Einnahme von bestimmten Medikamenten hervorgerufen wird. Zu diesen Medikamenten zählen unter anderem Präparate zur Behandlung von Parkinson und Epilepsie oder auch Präparate, die Kortison enthalten. Aber auch Drogen wie Kokain, Alkohol, Marihuane und LSD können zu einer manisch-depressiven Erkrankung führen. Es gibt sogar seltene Fälle, bei denen eine bipolare affektive Störung in Folge einer Hirnverletzung entstanden ist.

Traumatische Ereignisse

Zudem nehmen auf die Entstehung der Erkrankung an einer bipolaren affektiven Störung meist auch traumatische Ereignisse wie Mobbing, Arbeitsplatzverlust, Trennung, Tod eines geliebten Menschen, körperliche und auch seelische Misshandlungen sowie auch Vertreibung und Verfolgung einen wesentlichen Einfluss. Auch hoher Stress (z. B. durch den Beruf) oder auch andere Veränderungen, die eine Angst auslösen können (z. B. Umzug) können zu psychosozialen Problemen führen und damit Einfluss auf die Entstehung einer manisch-depressiven Erkrankung nehmen.

Schwaches Selbstwertgefühl

Einige Experten vermuten auch, dass ein schwaches Selbstwertgefühl ebenfalls dazu beiträgt, dass die Krankheit ausbrechen kann.

Stress und Schlafmangel

Ursachen der Bipolare Störung
Auch Stress kann Ursache der manischen Depression sein.

Oft könnte hier auch ein unregelmäßiger Rhythmus zwischen Tag und Nacht (Schichtarbeit) eine Ursache sein. Auch allgemeiner Schlafmangel, Überarbeitung oder ein einschneidender Lebenswandel sind meist Gründe für einen möglichen Krankheitsausbruch. Rückblickend erzählen die meisten Betroffenen, dass sie zu Beginn der manisch-depressiven Erkrankung unter großem Stress standen. Auch weitere Krankheitsphasen werden dann meist durch Stress hervorgerufen.


Diagnose der manisch-depressiven Erkrankung

Generell gibt es zur Diagnose Feststellung einer manisch-depressiven Erkrankung keine sicheren Vergleichmöglichkeiten. Vielen Ärzten fällt es meist schwer, eine depressive Phase einer bipolaren affektiven Störung von einer wirklichen Depression zu unterscheiden, wenn der Krankheitsbeginn mit einer Depression startet. Erst mit dem Hinzukommen einer manischen Phase kann eine Diagnose oft eindeutiger gestellt werden. Die Diagnose ist umso klarer, je länger der zeitliche Verlauf ist. Bei der Stellung der Diagnose ist es hilfreich, wenn der Arzt weiß, ob in der Verwandtschaft weitere Personen von einer bipolaren affektiven Störung betroffen sind.

Gerade im Jugendalter sowie bei jungen Erwachsenen stellt die Diagnose der manisch-depressiven Erkrankung oft eine Schwierigkeit dar. Die Symptome variieren hier oft, die Erkrankung kann sich auch durch Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsdefizite oder frühen Drogen-Missbrauch bemerkbar machen.

Detaillierte Erhebung der Krankheitsgeschichte Voraussetzung zur eindeutigen Diagnose

Eine detaillierte Anamnese (Erhebung der bisherigen Krankengeschichte) ist ein unumgängliches Untersuchungsverfahren zur Feststellung einer manisch-depressiven Erkrankung. Der Arzt stellt dem Patienten Fragen zu möglichen Ereignissen, Konflikten im Privat- und Berufsleben oder psychischen und körperlichen Krankheiten, die für eine bipolare affektive Störung verantwortlich sein könnten. Wichtig kann hierbei auch die Auskunft von Verwandten, Freunden und Arbeitskollegen sein (so genannte Fremdanamnese). Oft wird dabei ein deutlicher Unterschied zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung deutlich, was unter Umständen auch auf eine Erkrankung hinweisen kann.

Bei einem Beginn einer depressiven Erkrankung nach dem 40. Lebensjahr können durchaus auch andere Stoffwechsel- oder Gehirnerkrankung ursächlich sein. Aus diesem Grund werden in der Regel weitere Untersuchungen vorgenommen. So erfolgen oft eine internistische sowie eine neurologische Untersuchung. Auch eine Blutuntersuchung mit Schilddrüsenwertbestimmung, die Bestimmung von Nieren- und Leberwerten, ein Blutbild sowie die Bestimmung von Mineralien (z. B. Kalium, Natrium, Kalzium) im Blut oder auch die Blutzuckerwerte und die Bestimmung des Vitamin-B12-Spiegels können bei der Diagnose hilfreich sein. Oft werden auch EKG (Elektrokardiogramm) und/ oder EEG (Elektroenzephalogramm) geschrieben. Mittels MRT (so genannte Kernspintomografie) kann das Gehirn in einem bildgebenden Verfahren dargestellt werden.

Bei der Anamnese ist es unerlässlich, dass der Arzt über alle Medikamente, die in der letzten Zeit eingenommen worden sind, informiert wird. Grund dafür ist, dass es einige Medikamente gibt, die zu Depressionen oder auch Manien führen können.

Lt. Studien wird nur bei der Minderheit die richtige Diagnose gestellt

Einigen Studien zufolge wird nur bei einem geringen Teil der Betroffenen auch tatsächlich eine korrekte Diagnose zur bipolaren affektiven Störung gestellt. Oft gibt es einige erschwerende Hürden bei der Diagnose. So werden die Phasen, die sowohl von Manie als auch von Depression gekennzeichnet sind (so genannter Mischzustand) nur selten richtig als bipolare Störung diagnostiziert. Oft werden bipolare affektive Störungen damit beschrieben, dass die Betroffenen im finanziellen Ruin liegen, bei Trennungen recht bedenkenlos vorgehen und oft im Wahn sind. Eine Erkrankung, die diese Symptome nicht aufweist, wird nur schwer als typische manisch-depressive Erkrankung wahrgenommen.

Auch der oft exzessive Alkohol- und oder Drogenkonsum während einer manischen Phase wird oft falsch gedeutet und als Abhängigkeit interpretiert. Durch entstehende Suchterkrankungen während der Phasen kann die Grunderkrankung deshalb schnell verschleiert werden. Gerade bei Kindern fällt die Diagnose „manisch-depressive Erkrankung“ oft schwer. So kann die Krankheit meist nur schwer von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom) abgegrenzt werden. Mitunter kommt es bei der Erkrankung in seltenen Fällen sogar zur Diagnose „Schizophrenie“, weshalb hier wirklich eine genaue Anamnese notwendig wird.

Phasen der manisch-depressiven Erkrankung

Die Phasen der manisch-depressiven Erkrankung teilen sich generell in Niedergeschlagenheit und Euphorie auf. Oft wird die bipolare Störung mit Kreativität verbunden, es gibt viele erfolgreiche Menschen, die an der Krankheit leiden. Vor allem in der manischen Phase werden gesteckte Ziele mit einem hohen Engagement verfolgt. Allerdings ist eine Beschönigung der Krankheit nicht sinnvoll, denn sie kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen.

Depressive Phase

Die Niedergeschlagenheit – also die depressive Phase – der bipolaren affektiven Störung ist gekennzeichnet durch die Depression. Gedrückte Stimmung und Hoffnungslosigkeit prägen diese Phase besonders stark. Den Betroffenen fühlen sich in der Regel antriebslos und können sich zu nichts aufraffen. Selbst beschreiben Erkrankte diese Phase als freudlose Zeit, die meist von Schlafstörungen (auch Durchschlafstörungen) geprägt ist.

Während dieser Phase leiden viele Betroffene an Appetitlosigkeit und es ist oft ein deutlicher Gewichtsverlust zu erkennen. Das Gesicht wirkt oft ausdruckslos und starr, viele Menschen mit der Erkrankung sprechen dann sehr leise und geben verzögert eine Antwort auf ihnen gestellte Fragen. Oft fehlt den Patienten das Selbstbewusstsein und sie quälen sich mit Selbstvorwürfen. Oft haben sie auch zwanghafte Gedanken, die sich mit dem Tod und dem Suizid (Selbstmord) befassen.

Manische Phase

Die euphorische (manische) Phase der bipolaren affektiven Störung ist das Krankheitsbild genau entgegengesetzt zur depressiven Phasen. Betroffene verspüren Lebenskraft und haben oft das Bedürfnis, etwas zu tun und sich auszuleben. Die Stimmung ist in der Regel gehoben, aber mit Reizbarkeit und möglichen Aggressionen verbunden. Antrieb und Energie sind stark gesteigert und trotz vermindertem Schlafbedürfnis fühlen sich die Betroffenen dennoch frisch und munter.

Generell haben manisch-depressiv Erkrankte in der euphorischen Phase ein gesteigertes Redebedürfnis, sprechen lauter und oft auch schneller. Sie entwickeln für die Bedürfnisse und Gefühle ihrer Mitmenschen eine eher mangelnde Sensibilität. Oft verfügen sie in dieser Zeit über eine erhöhte Sinneswahrnehmung, allerdings sind auch Halluzinationen möglich. Vor allem während der euphorischen Phase zeigen Betroffene keine Einsicht, dass sie unter der manisch-depressiven Erkrankung leiden. Sie legen oft ein unkritisches und hemmungsloses Verhalten an den Tag, sind impulsiv und in der Regel sehr spontan, was sich z. B. auch an einem Kaufrausch zeigen kann. Oft sind mansich-depressiv Erkrankte Menschen leichtsinnig und größenwahnsinnig, überschätzen sich selbst und ändern ihren Geschmack recht häufig (z. B. bunte, schrille Farben bei der Kleidungswahl). Meist besteht auch eine niedrigere Hemmschwelle und dafür ein hohes Selbstbewusstsein.

Oft ereilen die Betroffenen nach Abklingen der euphorischen Phase sehr starke Gewissensbisse. Meist beginnt hier wieder die depressive Phase. Wenn hier neu angehäufte Schulden, ein gekündigter Arbeitsplatz oder auch beleidigte Verwandte und Freunde aufeinander treffen, ist schnelle Hilfe durch Ärzte und Sozialpädagogen unumgänglich.

Hypomanische Phase

Eine abgeschwächte Form der Manie ist die so genannte Hypomanie. Das wichtigste Merkmal ist die gehobene Grundstimmung sowie ein gesteigerter Antrieb. Gleichzeitig kommt es zu sprunghaften Veränderungen im Denken, Unkonzentriertheit oder auch zu einer Veränderung der Psychomotorik. Das Selbstbewusstsein ist häufig gestärkt, allerdings sind Betroffene auch oft sehr risikofreudig und neigen zu Grenzüberschreitungen. In der Phase der Hypomanie ist die Leistungsfähigkeit sehr hoch.

Einstufung der manisch-depressiven Erkrankung nach ihren Symptomen

Sämtliche Episoden der manisch-depressiven Erkrankung (manisch, hypomanisch, depressiv, gemischt) werden nach bestimmten Kriterien eingestuft, um eine sichere Diagnose stellen zu können.

Die Symptome werden in der ICD-10, der internationalen Klassifikation von Krankheiten und verwandten Gesundheitsproblemen, von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) herausgegeben. Unter dem Schlüssel F31 erfolgt die Klassifizierung aller Formen der manisch-depressiven Erkrankung, wobei hier zwischen 10 verschiednen Ausprägungen unterschieden wird. Diese Kriterien sind an das US-amerikanische Klassifikationssystem „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-IV) entnommen wurden.

Kriterien der manischen Phase

Die manische Phase ist geprägt von abnormer, ständig gehobener, überschwänglicher oder auch gereizter Stimmung, die über einen Zeitraum von mehr als einer Woche andauern kann. Mindestens drei oder mehr der folgenden Symptome halten während dieser Phase deutlich an:

  • Größenwahn oder übertrieben starkes Selbstbewusstsein
  • Geringes Schlafbedürfnis, aber trotzdem Gefühl der Erholung
  • Starker Drang zum Reden und deutliche Gesprächigkeit
  • Gedankenrasen als subjektives Gefühl sowie Ideenflucht
  • Zerstreutheit (unwichtigen und belanglosen Dingen wird hohe Aufmerksamkeit beigemessen)
  • Zielgerichtete Aktivitäten nehmen zu, gelegentlich auch psychomotorische Unruhe
  • Angenehme Tätigkeit werden exzessiv ausgeübt, oft mit negativen Folgen (z. B. Kaufrausch)

Kriterien der depressiven Phase

Um die depressive Phase diagnostizieren zu können, müssen über einen Zeitraum von 2 Wochen mindestens fünf oder auch mehr der folgenden Symptome vorhanden sein. Durch diese Symptome kommt es zu einer deutlichen Änderung des bisherigen Verhaltens, der Leistungsfähigkeit oder auch des Gefühlslebens:

  • Fast den ganzen Tag herrscht eine depressive Stimmung, die sich im Zeitraum so gut wie jeden Tag zeigt. Betroffene fühlen sich oft leer oder traurig und erscheinen etwas weinerlich. Bei Kindern und auch Heranwachsenden kann die Stimmung auch gereizt sein
  • Das Interesse an vielen Dingen ist in der Regel deutlich vermindert, es herrscht kaum Freude bei Aktivitäten, was sowohl fast jeden Tag als auch den ganzen Tag beobachtet werden kann
  • Aufgrund von Appetitlosigkeit kommt es meist zu einem deutlichen Gewichtsverlust
  • Es besteht ein extremes Schlafbedürfnis, allerdings sind Betroffene trotzdem von Schlaflosigkeit betroffen
  • Fast alle Tage dieser Phase sind von Erschöpfung und Energieverlust geprägt
  • Es liegt eine psychomotorische Unruhe oder Verlangsamung vor
  • Viele Betroffene fühlen sich in dieser Phase wertlos und unbegründete Schuldgefühle
  • Denk- und Konzentrationsschwäche, Entscheidungsunfähigkeit fast jeden Tag
  • Depressive Phase ist oft von Todesgedanken (vor allem Suizid) geprägt

Kriterien der hypomanischen Phase

Die hypomanische Phase dauert mindestens vier Tage an, die Stimmung ist ständig gehoben und überschwänglich oder aber gereizt. Die Kriterien weichen aber deutlich von der nichtdepressiven Stimmung ab. Mindestens drei oder mehr der nachfolgenden Symptome sind für diese Phase typisch:

  • Starkes Selbstwertgefühl, bis hin zum Größenwahn
  • Schlafbedürfnis ist meist vermindert, trotzdem besteht ein Gefühl der Erholung auch trotz wenigen Stunden Schlaf
  • Meist deutlicher Rededrang, Betroffene sind oft gesprächiger als sonst
  • Gedankenrasen und Ideenflucht während der gesamt Phase
  • Betroffene sind oft zerstreut und legen ihren Fokus meist auf Unwichtiges)
  • Zielgerichtete Aktivitäten nehmen deutlich zu, unter Umständen liegt eine psychomotorische Unruhe vor
  • Bei Vergnügungen sind Patienten meist übertrieben engagiert (z. B. hemmungsloser Kaufrausch, leichtsinnige Investitionen im geschäftlichen Bereich)

In der Regel verändert sich in dieser Phase auch die Leistungsfähigkeit, Dritte beobachten oft auch einen Wechsel des Auftretens.

Kriterien der gemischten Phase

In der gemischten Phase kommen sowohl die Kriterien der manischen als auch die depressiven Phase über einen Zeitraum von mindestens einer Woche zum Tragen. Es kommt in der Regel zu einer Beeinträchtigung im Berufs- und auch Privatleben. Oft erfordert diese Zeit einen Krankenhausaufenthalt, damit eine Selbst- oder auch Fremdschädigung verhindert werden kann.

Verlaufsformen der manisch-depressiven Erkrankung

Oft treten manische oder depressive Phasen der Erkrankung dann auf, wenn ein sehr belastendes Lebensereignis stattgefunden hat. Die ersten Symptome treten unabhängig vom Alter auf, meistens jedoch zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr. In den ersten 10 Jahren der Erkrankung werden von den Betroffenen meist vier unterschiedliche Phasen durchlaufen, wobei die Dauer und auch die Häufigkeit sehr stark variieren. Prinzipiell dauert die depressive Phase der Erkrankung meist deutlich länger, als die manische Phase. Im Laufe der Erkrankung werden die Abstände zwischen den einzelnen Phasen kürzer, mit zunehmendem Alter nehmen oft auch die depressiven Phasen zu und dauern länger an.

Sind bereits einige Phasen der Krankheit vergangen, bildet sich oft ein innerer Rhythmus heraus, der von äußeren Ereignissen nicht beeinflusst wird. Treten nach der oder den ersten Phasen der manisch-depressiven Erkrankung keine weiteren Phasen ein, wird die Krankheit nur selten erkannt und behandelt. Das führt dazu, dass die bipolare affektive Störung bei den meisten Betroffenen zur chronischen, lebenslangen Erkrankung wird.

In der Regel ist die manisch-depressive Erkrankung mit mangelnder Einsicht in die Krankheit verbunden. Oft haben Betroffene ein selbstschädigendes Verhalten. Die Hirnstruktur wird dabei stärker geprägt, je mehr Zeit bis zur Einsicht in die Krankheit vergeht. Dadurch erfolgt in der Regel auch eine negative Beeinflussung der Prognose.

Laut einigen Studien kommen rund 40 Prozent der betroffenen Patienten nach den Phasen von Depression und Manie nicht mehr auf ihr altes Funktionsniveau zurück, bei weiteren 40 Prozent kommt es zu einem günstigen Verlauf, weil das soziale Umfeld eine Hilfe darstellt. Bleiben die Symptome wie Müdigkeit oder auch Konzentrationsschwäche komplett vorhanden, sind es in der Regel residuale Symptome. Eine lang andauernde Krankheit, die auch von längeren Klinikaufenthalten geprägt ist, kann den Verlust des sozialen Haltes zur Folge haben – oft geht der Arbeitsplatz verloren, auch die Familie zerbricht meist daran.

Unterscheidung der bipolaren Störungen

Bipolar affektive Störungen werden in „Bipolar 1“ und „Bipolar 2“ unterschieden.

Eine manische Phase, die etwa 7 bis 14 Tage und selten länger anhält, wird als „Bipolar 1“ bezeichnet. Im Anschluss folgt mindestens eine depressive Phase. Von dieser Störung sind etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung, sowohl Männer als auch Frauen gleich häufig, betroffen.

Werden hypomane Phasen bei der „Bipolar 2-Störung“ nicht erkannt, dann kann diese schnell mit einer rezidivierenden depressiven Störung verwechselt werden. Bei ihr treten nach einem normalen Zwischenzustand immer wieder Depressionen auf.

Außerdem gibt es noch das so genannte „Switching“ und die „Zyklothymia“.

Beim „Switching“ (so genannter Polaritätswechsel) handelt es sich um einen übergangslosen Wechsel von Manie bzw. Hypomanie zu Depression.

Die „Zyklothymia“ zeichnet sich durch leichte manische und depressive Schwankungen aus, die über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren bestehen. Die Schwankungen liegen dabei aber generell über den normalen Stimmungsschwankungen, weshalb die Zyklothymia gemäß ICD-10 eigentlich nicht zu den bipolaren affektiven Störungen gezählt wird.

Rapid Cycling

Beim so genannten „Rapid Cycling“ fallen im Jahr mindestens vier Stimmungsschwankungen aufeinander. Wenn die Stimmungsschankungen innerhalb von wenigen Tagen erfolgen, spricht man vom „Ultra Rapid Cycling“ und bei Schwankungen der Stimmungen innerhalb von wenigen Stunden vom „Ultradian Rapid Cycling“. Betroffene mit diesem Krankheitsverlauf erfahren meist eine Behandlung in der Klinik, da sie oft eine besondere Therapie benötigen.

In der Regel sind klassische Medikamente für derart häufige Wechsel zwischen den Phasen nicht ausreichend, oft muss zu Stimmungsstabilisatoren gegriffen werden. Betroffene haben vor allem ein erhöhtes Suizidrisiko, die Prognose für die Heilung sind vergleichsweise schlecht.

Dysphorische Manien (Mischzustände)

Ein manisch-depressiver Mischzustand ist dadurch gekennzeichnet, dass während einer Krankheitsphase manische und depressive Symptome schnell aufeinander treffen oder Depression und Manie gleichzeitig auftreten und sich dadurch mischen. Betroffene sind in dieser Phase der bipolaren Störung zwar z. B. Redegewandt, aber unter Umständen auch ängstlich und von Selbstmordgedanken geplagt.

Derartige Mischzustände sind oft während der postmanischen Phase vorhanden, was oft auch an der Schlaflosigkeit der Betroffenen liegt. Dieser Zustand ist meist sehr häufig, oft werden Gedanken von depressiver Natur in die Tat umgesetzt (z. B. Selbstmordversuche). Mischzustände sind oft schwerer zu behandeln, als die klassischen Phasen einer manisch-depressiven Erkrankung.

Risiko: Suizid

Generell ist das Suizidrisiko von Menschen, die manisch-depressiv sind, deutlich erhöht. In den letzten Jahren haben sich etwa 15 bis 30 Prozent aller Betroffenen das Leben genommen. Als riskante Zeit werden die Phasen der Depression gesehen, in denen der Antrieb noch vorhanden oder sich etwas gebessert hat. Während dieser Zeit werden Selbstmordversuche oft in die Tat umgesetzt. Auch in den Phasen von Mischzuständen ist die Selbstmordgefahr erhöht, denn die manischen und depressiven Symptome, die gleichzeitig aufeinander treffen, führen zu einem erhöhten Antriebsniveau. Auch zwischen den einzelnen Phasen – also im Normalzustand – kann aufgrund des Wissens, dass es bei einer bipolaren affektiven Störung immer wieder zu Depressionen kommt, ein erhöhtes Suizidrisiko vorliegen.

Begleiterscheinungen der manisch-depressiven Erkrankung

Generell gibt es bei der manisch-depressiven Erkrankung einige Begleiterscheinungen. So liegt vor allem bei 2/3 der Erwachsenen ein Alkohol- oder Drogenmissbrauch vor. Auch der Missbrauch von Medikamenten – vor allem bei Mischzuständen – tritt sehr häufig auf. Oft kommt es außerdem zu Panik- oder sogar Persönlichkeitsstörungen.

Prognose zur manisch-depressiven Erkrankung

Mit Hilfe einer konsequenten Behandlung kann eigentlich den meisten Menschen mit manisch-depressiver Erkrankung gut geholfen werden. Es ist möglich, dass sowohl manische als auch depressive Phasen bei einer Behandlung zum Abklingen gebracht werden können.

Der Patient erfährt durch die verbesserte medikamentöse Behandlung in Kombination mit Psychotherapie eine deutliche Erleichterung. Es kommt zu geringeren Nebenwirkungen durch Medikamente und auch die psychischen Beschwerden verringern sich oft. Zwischen den Krankheitsphasen können Betroffene in der Regel ihre Konzentration besser auf ihr Berufsleben sowie soziale Kontakte ausrichten.

Um eine eindeutige Prognose für die manisch-depressive Erkrankung abgeben zu können, müssen Arzt und Patient eng und gut zusammenarbeiten. Dadurch können drohende depressive und auch manische Rückschläge schnell erkannt werden. Weiterhin sichert eine gute und vor allem enge Kooperation zwischen Arzt und Betroffenem eine kontinuierliche und genaue Langzeitbehandlung.

Wenn jedoch die prophylaktische Dauerbehandlung sowie die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient scheitern, kann sich die Erkrankung meist deutlich beeinträchtigend auf Beruf und Alltag auswirken. Im Vergleich zu gesunden Menschen ist die Selbstmordrate von Menschen mit manisch-depressiver Erkrankung wesentlich höher.

Behandlung der manisch-depressiven Erkrankung

Die manisch-depressive Erkrankung kann durchaus effektiv behandelt werden. Wichtig ist hier eine langfristige Behandlung, die auch einen Rückfall vermeiden soll, denn selbst nach erfolgreichen Behandlungen sind unter Umständen Rückfälle möglich. Eine Prophylaxe ist also unumgänglich.

Meist zeigen sich Betroffene vor allem in der manischen Phase oder auch bei Suizidgefahr eher uneinsichtig in Bezug auf die Krankheit. Deshalb erfolgen manchmal Behandlungen gegen den Willen des Patienten. Man spricht dann von einer so genannten Zwangsbehandlung. Viele Betroffene sind jedoch einsichtig und willigen freiwillig in eine Behandlung ein, damit der hohe Leidensdruck verschwindet. Vor allem beim erstmaligen Auftritt von manischen Phasen ist es normal, dass die Einsicht fehlt, da manisch-depressiv Erkrankte noch keine Erfahrungen mit den Folgen der Phase und möglichen folgenden Depressionen sammeln konnten. Die Einsicht stellt sich deshalb oft erst nach mehreren Phasen ein.

Wichtig: die Betroffenen müssen sich über die Krankheit informieren

Für eine erfolgreiche Behandlung kann es sinnvoll sein, wenn die Betroffenen Informationen über ihre Krankheit sammeln, damit sie die Behandlung genau nachvollziehen können. Sie können dann auch ein Gegensteuern erlernen, um ein geregeltes Leben möglich zu machen. Unumgänglich bleibt natürlich die korrekte Diagnose der Erkrankung.

Eigentlich in fast allen Fällen zeigt sich die Behandlung mit Medikamenten als indiziert und notwendig an, denn nur Gespräche über die Veränderung können eine Heilung nicht genügend beeinflussen. Durch regelmäßige Kontrollen sowie Gespräche erfolgt eine Unterstützung der medikamentösen Behandlung. Ist der Krankheitsverlauf eher leicht, kann unter Umständen auch nur eine Gesprächstherapie ausreichend sein.

Dafür muss die Diagnose aber sicher und vor allem frühzeitig gestellt werden. Dies gestaltet sich allerdings oft schwer, da sich eine manisch-depressive Erkrankung eher schleichend entwickelt und meist mangels Kenntnissen in Öffentlichkeit und auch bei Ärzten nur schwer diagnostizieren lässt. Auch die Scheu, psychische Erkrankungen zu behandeln, kann den Verlauf negativ beeinflussen.

Behandlung mit Medikamenten

Die Behandlung einer bipolaren affektiven Störung kann mit Hilfe von zwei verschiedenen Medikamentengruppen erfolgen. So können zum einen so genannten

  • Stimmungsstabilisierer

eingesetzt werden, auf der anderen Seite können

Medikamente verabreicht werden, die zu einer Behandlung der gerade durchlebten Phase (Depression oder Manie) dienen. Bei letzteren Präparaten handelt es sich um so genannte

  • Interventionsmedikamente.

Die so genannten Stimmungsstabilisierer, zu denen z. B. Lithium, Lamotigrin, Valproat, Carbamazepin sowie Olanzapin und Quetiapin gehören, werden vor allem bei der Akut- und Erhaltungstherapie sowie auch bei der Rückfallprophylaxe eingesetzt.

Wenn die Stimmungsstabilisierer nicht ausreichend Wirkung zeigen, können während der depressiven Phase in der bipolaren affektiven Störung auch Antidepressive verabreicht werden. Auch Neuroleptika, Sedativa oder Hypnotika können als Interventionsmedikamente zusätzlich zum Einsatz kommen.

Die so genannten Mischzustände sind in der Regel schwieriger behandelbar, als Depressionen und Manien im Einzelnen. Oft müssen hier mehrere Medikamente in Kombination eingesetzt werden. In der Regel werden die manischen Symptome mit Neuroleptika behandelt, die depressive Phase mit Antidepressiva. Alle Medikamente müssen dabei aber sinnvoll aufeinander abgestimmt werden.

Weitere mögliche Behandlungsmaßnahmen

Bei besonderen schweren Fällen der manisch-depressiven Erkrankung, die in der Regel mit Suizidgedanken einhergehen, kann die Notwendigkeit einer Einweisung ins Krankenhaus bestehen.

Generell ist für Betroffene, die an einer bipolaren affektiven Störung leiden, ein geregelter Lebensrhythmus besonders wichtig. Sinnvoll kann außerdem eine begleitende Psychotherapie in Form einer kognitiven Verhaltenstherapie sein. Dadurch kann die Krankheit besser eingeordnet werden, was in der Regel dabei hilft, im Alltag besser damit umgehen zu können. Prinzipiell sollte bei der Wahl der Psychotherapie ganz individuell entschieden werden, da es viele mögliche Therapieansätze gibt, die bei einer manisch-depressiven Erkrankung helfen können.

Phasenprophylaxe

Die bipolare affektive Störung kann vorbeugend generell mit Stimmungsstabilisatoren während der Manie und Antidepressive während der Depression behandelt werden. Zwar sind die genauen Wirkungsweisen noch ungeklärt, dennoch gelten sie als wirksam bei langfristigen Schwankungen der Stimmung. Wird die Phasenprophylaxe jedoch abgebrochen, kann ein erneutes Auftreten der manischen und depressiven Phasen zu einem negativen Krankheitsverlauf und in der Folge zu einer erschwerten Behandlung führen.

Generell sollte der Genuss von Koffein, Alkohol und Drogen sowohl während der Krankheitsbehandlung als auch während der Phasenprophylaxe vermieden werden, zumal es oft zu Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten kommt.

Behandlung mit Psychotherapie

Neben der Gabe von Medikamenten ist bei einer manisch-depressiven Erkrankung immer auch eine auf die Behandlung abgestimmte kognitive Verhaltenstherapie, eine Gesprächspsychotherapie, eine Soziotherapie oder auch eine so genannte Psychoedukation sinnvoll. Auch die Teilnahme in einer Selbsthilfegruppe (z. B. Bipolar-Selbsthilfe-Netzwerk) ist durchaus lohnenswert.

Betroffene sollten in den Sitzungen dahingehend unterstützt werden, dass sie ein eigenes Warnsystem für sich entwickeln, die ihnen dabei helfen, nicht in extreme Phasen zu rutschen. So genannte

  • Selbststeuerungskonzepte,
  • ein Stress-Management-Training,
  • Selbstbeobachtung und –regulation sowie –management

können dabei helfen. Besonders wichtig ist das Erkennen der Frühwarnzeichen für manische, depressive oder gemischte Phasen und ein entsprechendes Gegensteuern (z. B. antidepressive Tätigkeiten, ausreichend Schlaf bei Anzeichen von Manie). Dadurch kann der Ausbruch einer neuen Phase gemildert und unter Umständen sogar verhindert werden.

Generell kann ein stressfreies, geregeltes und erfülltes Leben, ausreichend Schlaf, viel Bewegung sowie auch Yoga und Meditation zur Verzögerung neuer Phasen führen. Sie können unter Umständen auch dadurch seltener werden oder gar ganz verhindert werden. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der manisch-depressiv erkrankte Mensch sich von der letzten Phase und deren möglichen Folgen genügend erholt hat.

Manisch depressiv Medikamente

Unter Umständen ist es möglich, dass eine bipolare affektive Störung auch durch die Einnahme von bestimmten Medikamenten hervorgerufen wird. Zu diesen Medikamenten zählen unter anderem Präparate zur Behandlung von Parkinson und Epilepsie oder auch Präparate, die Kortison enthalten. Aber auch Drogen wie Kokain, Alkohol, Marihuane und LSD können zu einer manisch-depressiven Erkrankung führen. Es gibt sogar seltene Fälle, bei denen eine bipolare affektive Störung in Folge einer Hirnverletzung entstanden ist.

Zudem nehmen auf die Entstehung der Erkrankung an einer bipolaren affektiven Störung meist auch traumatische Ereignisse wie Mobbing, Arbeitsplatzverlust, Trennung, Tod eines geliebten Menschen, körperliche und auch seelische Misshandlungen sowie auch Vertreibung und Verfolgung einen wesentlichen Einfluss. Auch hoher Stress (z. B. durch den Beruf) oder auch andere Veränderungen, die eine Angst auslösen können (z. B. Umzug) können zu psychosozialen Problemen führen und damit Einfluss auf die Entstehung einer manisch-depressiven Erkrankung nehmen.

Einige Experten vermuten auch, dass ein schwaches Selbstwertgefühl ebenfalls dazu beiträgt, dass die Krankheit ausbrechen kann. Oft könnte hier auch ein unregelmäßiger Rhythmus zwischen Tag und Nacht (Schichtarbeit) eine Ursache sein. Auch allgemeiner Schlafmangel, Überarbeitung oder ein einschneidender Lebenswandel sind meist Gründe für einen möglichen Krankheitsausbruch. Rückblickend erzählen die meisten Betroffenen, dass sie zu Beginn der manisch-depressiven Erkrankung unter großem Stress standen. Auch weitere Krankheitsphasen werden dann meist durch Stress hervorgerufen.

Generell gibt es höchstwahrscheinlich viele verschiedene Faktoren, die zu einer manisch-depressiven Erkrankung führen. Generell kann man davon ausgehen, dass mit dem Erbgut zwar ein Rahmen für eine Erkrankungswahrscheinlichkeit gestellt wird, ob es jedoch tatsächlich zum Krankheitsausbruch kommt, liegt in der Regel auch Faktoren des Umfeldes. Diese beeinflussen zum einen die Entstehung der Erkrankung, aber auch deren Verlauf und Ende.

Hinweis:
manischdepressiv.net

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